Nelson Francis
Das Surrealistische war für mich nie bloss eine Stilrichtung, es war immer ein Ort der Geborgenheit, ein innerer Raum, in dem ich atmen konnte. Mit der Zeit jedoch verwandelte sich dieser Raum: Aus einem Ort des Wohlfühlens wurde ein Zufluchtsort, fast ein Rückzugsgebiet vor der greifbaren Welt. Meine surrealistischen Werke erzählen nicht von Träumen im klassischen Sinne. Sie sind vielmehr fragile, abstrakte Spiegelbilder der Wirklichkeit – verzerrt, gebrochen, und doch auf seltsame Weise wahrhaftig. In ihnen suche ich nicht nach Flucht, sondern nach Erkenntnis: ein tastender Versuch, das Menschsein im Angesicht des Unfassbaren zu begreifen. Ich bewege mich durch Chaos, nicht um mich darin zu verlieren, sondern um darin eine verborgene Ordnung aufzuspüren. Ich umarme den Wahnsinn, nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel, um ein tieferes Verständnis zu formen. Denn manchmal liegt die Klarheit nicht im Offensichtlichen, sondern im Zerrissenen, im Widersprüchlichen – dort, wo alles auseinander fällt und sich zugleich neu zusammensetzt.